Organisationsethnologie
Die Entwicklung der Organisationsethnologie Organisationsethnologie und damit der Ansatz, die handelnden Menschen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen, ist beinahe so alt wie die Kulturwissenschaft selbst. Erste Studien finden sich in den USA in den 20er Jahren. Die Hawthorne - Studie, die zwischen 1924 und 1933 in Chicago durchgeführt wurde, zählt mittlerweile zu den Klassikern der Organisations- und Managementforschung(1), kurz darauf eine beinahe ebenso einflussreiche Untersuchung Yankee City Studien(2). Der Erfolg war so durchschlagend, dass sich bald darauf eine ganze Schule entwickelte, die “Human Relations”, also die sozialen Beziehungen der handelnden Akteure als zentralen Faktor für den Erfolg von Unternehmen und Organisationen ausmachte und damit erste systemische Perspektiven in die Organisationsforschung einbrachten(3). Doch gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde bekannt, dass Ethnologen eng mit dem US-amerikanischen Kriegsministerium zusammengearbeitet hatten und die gesamte angewandte Ethnologie geriet in Misskredit(4). Der Rückzug in den Elfenbeinturm der Universitäten fand nicht nur in den USA, sondern vor allem in Europa statt, wo die Etablierung des Faches im Wirtschaftssektor ohnehin weit weniger entwickelt war als in den USA. Doch nach und nach wurden Entscheider zunehmend damit konfrontiert, dass sie es nicht nur mit Zahlen, Daten und Fakten, sondern vor allem mit handelnden Menschen zu tun haben. Nicht zuletzt der interessierte Blick auf das scheinbar unerklärliche Wirtschaftswunder in Japan führte in den 80er Jahren dazu, dass das Interesse an der Unternehmenskultur Betriebswirten und Ökonomen zunahm(5). Zunächst hilflos und beinahe naiv anmutend(6) entspann sich ein zunehmend wichtiger und an Professionalität gewinnender Diskurs, der von USA ausgehend inzwischen vor allem im angelsächsischen und skandinavischen Raum die Organisationsethnologie zu einem festen Bestandteil werden ließ. Dabei spielt aktuell vor allem der Einsatz der Methoden in der Marktforschung eine wichtige Rolle(7). blickwechsel nutzt die Organisationsethnologie in ihrem ganzen Potenzial, um Change Management Prozesse so zu unterstützen, dass sie nicht länger im Blindflug geplant und umgesetzt werden, sondern auf der Basis eines gesicherten Wissens über die zentralen Aspekte der Unternehmenskultur. Kennt man diese “tragenden Wände” der Unternehmenskultur, so kann man sie bei Veränderungsprozessen berücksichtigen und auf sie aufbauen. Bleiben sie unbekannt, so werden sie oftmals ohne Notwendigkeit und aus purer Unwissenheit eingerissen und die Entscheider sind mit den Trümmern konfrontiert, deren Herkunft sie sich kaum erklären können. Organisationsethnologie liefert die Möglichkeit, der Architektur von Organisationsentwicklung Sicherheit zu verleihen, weil sie die Perspektive der Akteure einbezieht(8). --------------------------------------------------------------------------------------------------------------- (1) Walter-Busch, E. 1989: Das Auge der Firma, Mayos Hawthorne – Experimente und die Harvard Business School, 1900 – 1960. Stuttgart. (2) Warner, W. Lloyd und Low, J.O.1947: The Social System of the Modern Factory. The Strike: A Social Analysis.New Haven. (3) Gamst, F. und Helmers S. 1991: Die kulturelle Perspektive und die Arbeit: ein forschungsgeschichtliches Panoram der nordamerikanischen Industieethnologie. In: Zeitschrift für Ethnologie, Band 116, S. 25ff. (4) Eddy, E.M. und Partridge W. L. (Hg.) 1987: Applied Anthropology in America.New York. (5) Hauschild, Thomas 1988: Unternehmenskultur und Corporate Identity – Disskussionsbeitrag eines Ethnologen. In: Brandes, Ute et al (Hrsg.) 1988: Unternehmenskultur und Stammeskultur. Darmstadt. (6) Brandes, U. et al (Hg.) 1988: Unternehmenskultur und Stammeskultur. Darmstadt. (7) z.B. das schwedische Marktforschungsinstut Trendethnography (www.trendethnography.com)  oder das US- amerikanische Institut Ethno – Insight (www.ethno-insight.com ) (8) Spülbeck, S. 2009: Organisationsethnologische Forschung und Beratung: Neue Perspektiven in der Unternehmensberatung. In: Bettina Beer, Sabine Klocke-Daffa und Christina Lütkes (Hg.): Berufsorientierung für Kulturwissenschaftler. Erfahrungsberichte und Zukunftsperspektiven. Berlin. Schwinge, B. und Spülbeck, S. 2002: Unternehmenskultur und Organisationsethnologie – Warum Ethnologen in der Organisationsentwicklung so erfolgreich sind. In: Ethnoscripts, Analysen und Informationen aus dem Institut für Ethnologie der Universität Hamburg. Hamburg, S. 95-105.
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